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MYTHEN, MÄRCHEN UND SAGEN

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Jedes Land hat seine eigenen, sagenumwobenen Geschichten. Bei allen Begegnungen in Thailand frage ich immer nach solchen Erz├â┬Ąhlungen, und die Sammlung w├â┬Ąchst. So kann hier nach und nach ├â┬╝ber m├â┬Ąrchenhafte Dinge berichtet werden, die dann wieder als ebook gesammelt erscheinen werden.
Fische werden nicht nur gefangen, sondern auch frei gelassen; es gibt ├â┬╝berall Hausgeister; eine Flu├â┬čg├â┬Âttin ebenso wie eine G├â┬Âttin zum Schutze der Natur und als vegetarische Vork├â┬Ąmpferin. Ein bekanntes, h├â┬Ą├â┬čliches Penism├â┬Ąnnchen mu├â┬č erw├â┬Ąhnt werden, und auch Elefanten in wei├â┬č und schwarz sowie ganze Armeen von K├â┬Ąmpfh├â┬Ąhnen und der im Norden hochverehrte Hund.
Die G├â┬Âtterwelten, die meisten G├â┬Âtter wurden aus dem Hinduismus ├â┬╝bernommen, im Buddhismus aber eher in untergeordneten Nischenfunktionen aktiv, bringen etliche Mythen hervor. Ebenso wie die Geisterwelt und uralter Volksglaube im Vielv├â┬Âlkerstaat Thailand.
Ein m├â┬Ąrchenhaftes-Vers-Epos, im 19.Jahrhundert entstanden, wird heute noch in jeder Schule unterrichtet. Auch die Sammlung der RAMAKIEN, angelehnt an hinuistische Vorl├â┬Ąufer, ist schriftlich aufgezeichnet worden.
Viele Mythen sind indes nur m├â┬╝ndlich ├â┬╝berliefert; hier zeigt sich insbesondere die Erz├â┬Ąhl-Kultur der Thais. Die maschinelle Bucherstellung begann in SIAM ja auch erst in den 1830-iger Jahren.
Allerdings, so umfangreich wie unsere Grimms M├â┬Ąrchen wird die Sammlung wohl nicht werden. Die recht umtriebigen und aufm├â┬╝pfigen Herren Professoren waren ja auch als Bruderpaar zu zweit.

DIE DAME MIT DEM LANGEN ZOPF

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Die genannte ├â┬ťberlieferung bezieht sich nicht auf RAPUNZEL. Diese sympathische M├â┬Ąrchenfigur f├â┬Ąllt uns sofort ein, wenn wir an langes Frauenhaar denken. Gemeinhin gilt in fast allen Kulturen: lange Haare sind seit alters her ein Symbol der Kraft und Gesundheit.
In S├â┬╝dostasien wird die Erd- und Wasserg├â┬Âttin THORANI hoch verehrt. Sie ist auch bekannt unter dem Ehrentitel PHRA MAE THORANI oder unter NANG THORANI. Sie also ist die Dame mit den langen Haaren. Es handelt sich in Asien nicht um ein junges, hilfloses und eingesperrtes M├â┬Ądchen, das auf ihren Retter und Geliebten wartet, sondern sie ist eine m├â┬Ąchtige G├â┬Âttin. Gemeinsam ist ihnen nur ihr starker, langer Zopf, der zu jeweils praktischem "Werkzeug" wird. Die Bedeutung der G├â┬Âttin THORANI im Volksglauben und in heute noch praktizierten Bestattungs-Riten soll nun dargestellt werden.
Weil Siddharta, der sp├â┬Ątere BUDDHA, nach jeder seiner guten Taten die Erde mit Wasser tr├â┬Ąnkte, hatte die Wasserg├â┬Âttin THORANI immer gen├â┬╝gend Wasser in ihren Haaren gespeichert. So konnte sie Siddharta vor seiner Erleuchtung, als er vom D├â┬Ąmonen MARA bedroht und versucht wurde, entscheidend helfen. Dieses Unget├â┬╝m wollte Siddharta mit allerhand Untaten vom Pfade der Erleuchtung abbringen. Unter anderem gebot er deswegen auch seinen T├â┬Âchtern, den zuk├â┬╝nftigen BUDDHA zu verf├â┬╝hren. In seiner Not wandte sich der Bedr├â┬Ąngte an die G├â┬Âttin THORANI. Eine Geste von BUDDHA-Statuen deutet dieses Hilfegesuch an: die rechte Hand ist nach unten, gen Boden gerichtet, w├â┬Ąhrend die linke Hand auf dem Scho├â┬č liegt. Diese Darstellung ist als BHUMISPARSA MUDRA bekannt und in Statuen sehr verbreitet.
So zur Hilfe gerufen, laut Legende, wrang die G├â┬Âttin alles Wasser aus ihren Haaren und konnte damit MARA und seine D├â┬Ąmonen ertr├â┬Ąnken. Dennoch gilt BUDDHA in der Lehre als der eigentliche Bezwinger von MARA. In offiziellen Schriften und Texten des THERAVADA-Buddhismus taucht die G├â┬Âttin nicht auf.
Bei TOTENZEREMONIEN wird Seligkeit f├â┬╝r den Verstorbenen wie folgt erlangt: aus einem kleinen Gef├â┬Ą├â┬č mit langem Hals wird Wasser sehr langsam und ununterbrochen, wie an einer Schnur, in ein anderes Gef├â┬Ą├â┬č gegossen. W├â┬Ąhrend das Wasser flie├â┬čt, wird an die Verdienste des Verstorbenen gedacht. Bei der Totenfeier habe ich in ├â┬Ąrmeren Gegenden auf dem Lande gesehen, da├â┬č auch eine einfache Plastikflasche zum Ausgie├â┬čen gen├â┬╝gt. Wichtig ist eben nur, da├â┬č das Wasser wie eine Schnur flie├â┬čt. Das nunmehr gesegnete Wasser wird nach Ende der Zeremonie unter einem Baum oder an einer Pflanze langsam ausgegossen. Die G├â┬Âttin THORANI sorgt dann f├â┬╝r die Weiterleitung der guten Taten des Verstorbenen. Das Wasser gilt dabei als Tr├â┬Ąger der guten Gedanken und Taten.
Die auch in weltlichen Kategorien als F├â┬╝rstin (PHRA) und Mutter (MAE) verehrte THORANI ist oft als Brunnenfigur anzutreffen. Immer ist sie jung und wundersch├â┬Ân dargestellt, kniend oder auch stehend, in unterschiedlichsten k├â┬╝nstlerischen Qualit├â┬Ąten bis hin zur Massenware. In ihren langen, schwarzen, bis zum Boden reichenden Haare ist zumeist die Wasserzufuhr des Brunnens untergebracht. ├â┬ľfters wird THORANI auch mit einem Krokodil, einem der m├â┬Ąchtigsten Wassertiere, modelliert.


Link-, Medien- und Literaturverweise:
www.artedea.net; E.Guthrie: A Study Of The History And Culture Of The Buddhaist Earth Diety In Mainland Southeast Of Asia. Diss., Christchurch, New Zealand, 2004

HIMMEL UND H├â┬ľLLE

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Der Buddhismus kommt eigentlich ohne G├â┬Âtter und Glaube an Fegefeuer und Paradies aus.
Dennoch, pragmatisch, wurden ├â┬ťberlieferungen aus animistischen, indischen und chinesischen G├â┬Âtterwelten oft ├â┬╝bernommen. Im heutigen Thailand kreuzten sich Handelswege von China gen S├â┬╝den und von Indien und Ceylon (jetzt: Sri Lanka) gen Osten. Auch westliche Missionare brachten ihre Vorstellungen ins ehemalige SIAM.
Wir begegnen GANESHA und ERAWAN, den Elefanteng├â┬Âttern des Hinduismus genauso wie der chinesischen Erdg├â┬Âttin f├â┬╝r Fruchtbarkeit und vegetarisches Leben. Von der Sch├â┬Âpferg├â┬Âttin N├â┬ť-KWA, der Schlangen- oder Drachenfrau und von ihrem Bruder sollen die Menschen abstammen.
Brahmanische Priester haben Fruchtbarkeitsriten und das Lichterfest an den K├â┬Ânigshof und ins Land getragen. Auch das alte Heils- und Gl├â┬╝cks-Symbol, SWASTIKA genannt, hat seinen Weg nach Ost und West genommen.

So ist es nicht verwunderlich, da├â┬č ferner die auch uns bekannte Himmel-und-H├â┬Âlle-Vorstellung in Thailand anzutreffen ist.
THAI BHUMIKATHA, die Weltsicht der Thai Buddhisten aus dem 14. nachchristlichen Jahrhaundert, wurde in drei Welten eingeteilt. Die erste Welt, die Welt der Sinnlichkeit, widerum erfuhr eine Einteilung in elf Regionen, davon vier leidvolle Regionen. Das sind Orte der Bestrafung unterhalb der Welt der Menschen. Diese vier leidvollen Regionen sind:
1. Region der H├â┬Âllenwesen
2. Region der Tiere
3. Region dr Hungrigen Geister (diese
Geister werden PRETA genannt)
4. Region der ASURA-D├â┬Ąmonen

Ein markantes Beispiel im wahrsten Sinne zum Anfassen gibt es in einem Tempel in SanSai, nord├â┬Âstlich von ChiangMai. Es hat den Anschein eines besonderen "Freizeitparkes" auf einem speziellen Gel├â┬Ąnde des WAT SI DON CHAI PA TUNG.
F├â┬╝r 10 BATH Eintritt durch eine Metallschleuse gehend, kann der Besucher sich die H├â┬Âllenqualen bildlich in allen Schrecklichkeiten vormachen lassen. Fast jedes "Kunstensemble" hat einen Automaten, nochmals mit einer 10 BATH M├â┬╝nze zu best├â┬╝cken. Nach Einwurf setzt sich mit Lichterorgel und kackofonischen Ger├â┬Ąuschen wahres, d├â┬╝steres Teufelswerk in Gang: da werden K├â┬Ârper aufgespie├â┬čt, zerquetscht, gek├â┬Âpft, auf viele Arten zerst├â┬╝ckelt, Eingeweide herausgezogen und von Ungeheuern aufgefressen. Ein gro├â┬čer Kochtopf voll mit Verfehlten fehlt ebenfalls nicht. Eine Art Oberteufel h├â┬Ąlt alle menschlichen Missetaten schriftlich fest, w├â┬Ąhrend seine Gehilfen ungemein gesch├â┬Ąftig ihrem blutigen Handwerk nachgehen. Das Alles ├â┬╝bertrifft jede gruselige Geisterbahn auf westlichen Rummelpl├â┬Ątzen. Der Gestalter dieser Anlage mu├â┬č entweder eine grausige Phantasie gehabt oder vielleicht bei Hironymos Bosch abgekupfert haben.
Gleich nebenan wird dem Besucher die himmlische, helle Gegenwelt pr├â┬Ąsentiert. Dem allm├â┬Ąchtigen Buddha in Gold huldigen auch die b├â┬Âsen Geister, sie bleiben am Fu├â┬čende, am Boden der Statue. Ferner gibt es eine Art paradiesischen Lebensbaum mit h├â┬╝bsche halbnackten, jungen Frauen, M├â┬Ądchen und auch mit Neugeborenen, die in gro├â┬če Bl├â┬╝ten eingeh├â┬╝llt sind.

Die gesamte Anlage kommt mit ihrer Botschaft ohne Worte aus: wer ein Alkoholiker, ein Raffke oder Gl├â┬╝cksspieler ist, wer nicht f├â┬╝rs Leben lernt und ungehorsam ist: der kommt in die H├â┬Âlle oder zumindest ins Fegefeuer. Wer hingegen ein Buddha- oder Gott-gef├â┬Ąlliges Leben f├â┬╝hrt, der wird mit himmlichem Frieden belohnt.
In seiner Einmaligkeit, nicht unbedingt in der künstlerischen Ausgestaltung, ist die Anlage auf jeden Fall einen Ausflug wert. Und so ganz nebenbei sichert man dem Tempel eine Einnahmequelle.
Zur Erinnerung: jeder Tempel, jedes Kloster, ist finanziell auf sich selbst gestellt.

LOY KRATHONG

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LOY KRATHONG (auch Loi Krathong), in 2017 auf den 03.November fallend, wird in dieser 12. Vollmondnacht des Lunisolar-Kalenders in ganz Thailand gefeiert. Nach Sonnenuntergang setzen die Thais kleine handgefertigte Blumenschiffchen (KRATHONG) auf flie├â┬čende Gew├â┬Ąsser, best├â┬╝ckt mit Kerzen, R├â┬Ąucherst├â┬Ąbchen, kleinen M├â┬╝nzen und zum Teil auch mit abgeschnittenen Hand-oder Fu├â┬čn├â┬Ągeln und Haaren. Mit guten W├â┬╝nschen versehen, beobachtet man die wegschwimmenden Schiffchen, so lange es geht. Je l├â┬Ąnger das eigene Schiffchen zu sehen ist, desto eher sollen sich die W├â┬╝nsche erf├â┬╝llen...
Im Allgemeinen sind die Schiffskiele aus Bananenbl├â┬Ąttern gefertigt. Eine Besonderheit gibt es in der Stadt TAK: dort werden die Krathongs auf einer Kokosnuss-H├â┬Ąlfte aufgebaut. Sie sind dadurch haltbarer. Es gibt in ChiangMai einen Preiswettbewerb f├â┬╝r eigens gefertigte, nicht gekaufte Krathongs. Doch wer macht sich noch die M├â┬╝he, die Krathongs selbst herzustellen, da sie f├â┬╝r umgerechnet nicht einmal einen Euro zu kaufen sind ? Ich habe gr├â┬Â├â┬čten Respekt vor soviel Handwerkskunst anbetrachts der sch├â┬Ânen, vielf├â┬Ąltigen Arten der Schiffchen.
Das mittlere Bild zeigt ein Krathong in Schwanenform, mit einem haltbaren Kiel aus Kokosnuss. Ich habe es geschenkt bekommen und fühle mich nun als Lohengrin, der Schwanenritter.
Die romantischen Bilder der Lichtermeere auf den Gew├â┬Ąssern reizen immer mehr Touristen, zu dieser Zeit Thailand zu besuchen. Nach der Regenzeit werden die Temperaturen nun auch f├â┬╝r uns Westler wieder ertr├â┬Ąglicher.

Die mythischen Hintergr├â┬╝nde von LOI KRATHONG: es wird zum Einen der Flu├â┬čg├â┬Âttin MAE KHONGKHA gedacht. Sie entstammt dem Hinduismus. Bedankt wird sich f├â┬╝r das lebensspendende Na├â┬č, das in der Regenzeit f├â┬╝r reichliche Bew├â┬Ąsserung der Reisfelder sorgte. Manche Autoren gehen ferner davon aus, da├â┬č die Urspr├â┬╝nge des Ritus von indischen Reisbauern zu Ehren der Reisg├â┬Âttin MAE BHOSOP gepr├â┬Ągt wurden. Ins heutige Gebiet von Thailand soll der Brauch im 14. nachchristlichen Jahrhundert ins K├â┬Ânigreich SUKHOTHAI gelangt sein. Hierzu gibt es die Liebesgeschichte eines K├â┬Ânigs und einer seiner Hofdamen. Darin liegt wohl auch der Grund, warum Liebespaare beim Aussetzen ihres Krathong um ewige Liebe bitten.

Neben den W├â┬╝nschen nach Gl├â┬╝ck und ewiger Liebe wird auch um Verzeihung gebeten f├â┬╝r die Nutzung und Verschmutzung des Wassers. Insofern ist die Sitte, abgeschnittene Haare und N├â┬Ągel dem Krathong beizugeben, sicherlich auch als ein Reinigungs-Ritual anzusehen.

YI PENG

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YI PENG ist ein Fest, das zeitgleich zu LOY KRATHONG bei Vollmond im 12. Monat des THAI-Kalenders gefeiert wird, jedoch nur in Nordthailand und zudem drei Tage lang. Besonders in CHIANGMAI ist es wohl d e r festliche H├â┬Âhepunkt des Jahres.
Nach Sonnenuntergang, in der Vollmondnacht, steigen Tausende von gro├â┬čen Lampions (KHOM LOI) gen Himmel. Bis Mitternacht gibt es dann aus Sicherheitsgr├â┬╝nden keinen Flugverkehr.
Die urspr├â┬╝ngliche Bedeutung des Lichterfestes, in der LanNa-Kultur im Norden aufgekommen, scheint nicht mehr offensichtlich zu sein. Immerhin ergaben Nachforschungen: es sei das Fest zu Ehren des Himmelsgottes PHRATHAT CHULAMANI. Brahmanische Priester haben aus Indien den Kult der Laternen ins Land getragen, wahrscheinlich im 14. Jahrhundert. Fr├â┬╝her trugen nur die Priester zum 12. Vollmond Laternen, um mit den Lichtern die Regenzeit als beendet zu feiern. Es war der symbolische Wechsel von der Dunkelheit ins Licht. Mit den sp├â┬Ąter eingef├â┬╝hrten aufsteigenden Lampions hingegen sollen S├â┬╝nden und B├â┬Âses fortgetragen werden. Fragt man Thais, so gibt es Antworten wie: die Sorgen fliegen gen Himmel oder immer wieder auch: die Lampions steigen auf, um Gl├â┬╝ck zu bringen.
Heutige Slogans des Festes m├â┬Âgen auf die religi├â┬Âse Herkunft hinweisen, wie: "brighter the world - brighter the mind" und "moving from the darkness into a brighter future".
YI PENG hat sich in ChiangMai l├â┬Ąngst festlich und weltlich etabliert. Abends erstrahlen viele riesige, durchsichtige, bunte Kunstfiguren wie Drachen und Bl├â┬╝ten und verzaubern die Stadt. An den drei Abenden gibt es jeweils einen pr├â┬Ąchtigen Umzug in historischen Kost├â┬╝men und eine Miss-und Mister-Wahl, die sich ├â┬╝ber Stunden hinzieht. Die Sch├â┬Ânsten der Sch├â┬Ânen geben sich ein Stell-Dich-Ein vor den Toren der Altstadt.

FISCHE FREI LASSEN

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Andere L├â┬Ąnder, andere Sitten...
Es gibt hier ein beliebtes Ritual f├â┬╝r den Wunsch nach einem Neuanfang. Ausl├â┬Âser war eine Weissagung: Du wirst sterben, wenn Du nicht einem Fisch die Freiheit gibst. Gro├â┬če Unruhe in der Familie war angesagt.
Diese Aussage war nicht auf mich gem├â┬╝nzt; ich konnte somit aber im Familienkreise erleben, wie in diesem Fall der Weissagung gehandelt wird. Nach dem Fr├â┬╝hst├â┬╝ck ging es sonntags ab auf den Markt; es wurden lebende Fische, Muscheln und zwei mittelgro├â┬če Schildkr├â┬Âten gekauft. Anschlie├â┬čend wurde ein Tempel am Ufer des Flusses angesteuert; ein kurzes Gebet, R├â┬Ąucherkerzen angez├â┬╝ndet und dann wurden an einer speziell daf├â┬╝r vorgesehenen Stelle auf einem Ponton die Wassertiere ausgesetzt.
Der Gedanke, der hinter diesem Ritual steht: gibst Du dem Fisch und dem anderen Getier die Chance zum Entfliehen in die Freiheit, rettest Du diese Tiere also vor dem Verzehr, dann wird auch Dein Leben eine andere Bahn einschlagen. In diesem Falle also konnte die Todesdrohung erfolgreich abgewendet werden. Die ganze Aktion ist mit umgerechnet 20.- ├ó┬é┬Č f├â┬╝r Thais nicht ganz billig, dennoch wird f├â┬╝r Weissagungen, Riten und Danksagungen recht viel Geld ausgegeben. Das erinnert mich ein wenig an katholische Gebr├â┬Ąuche in L├â┬Ąndern S├â┬╝deuropas.
Der Animismus als Glaube an Naturg├â┬Âtter sowie der Geisterglaube hat in Thailand selbst bis in den Buddhismus Einzug erhalten. So werden angebetete B├â┬Ąume mit bunten B├â┬Ąndern umh├â┬╝llt, und es werden in den WATs diversen Tierfiguren Opfergaben beigegeben.
Praktisch an jedem Haus, auf jedem Grundst├â┬╝ck sind die Geister - H├â┬Ąuschen zu sehen. Die Geister bekommen selbstverst├â┬Ąndlich auch Nahrung und zu trinken, denn sie leben nach weitverbreiteter Meinung mitten unter uns. Es gilt, sie immer gn├â┬Ądig zu stimmen und Unheil vom Hause fern zu halten. Das ist kein Aberglaube einfacher Menschen vom Lande weitab jeglicher Moderne, sondern wohl auch feste Anschauung von gebildeten Leuten. Als ich neulich zum Beispiel einer jungen Lady im Spa├â┬č andeutete, ich w├â┬╝rde gern ein paar ihrer sch├â┬Ânen Haaare abschneiden wollen als Souvenir, war sie ganz entsetzt: so etwas d├â┬╝rfe ich nicht sagen, die Hausgeister s├â┬Ąhen dies nicht gern. Aber vielleicht war das nur Selbstschutz, um ihre sch├â┬Ânen Haare nicht zu verlieren.
Zu den Themen Riten und Mythen wird in Zukunft noch viel mehr zu berichten sein. Meine Sammlung w├â┬Ąchst zusehens, doch mu├â┬č ich noch viele neugierige Fragen zu einzelnen Geschichten an meine Freunde und Bekannten vor Ort stellen.

DRAGONS

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Diese Seeschlangendrachentiere sieht der Reisende in jedem WAT (Tempel oder auch buddhistische Klosteranlage) in unterschiedlichster Auspr├â┬Ągung. Hier im ersten Bild, am landesweit bekannten Tempel WAT THATON, in n├â┬Ârdlicher Spitze Thailands, in der N├â┬Ąhe der Stadt FANG, ist ein besonderes, riesiges Exemplar zu betrachten. Es ist ein beachtliches Einzelmonument, mit einem Geldsack in den Klauen. Ist das etwa ein Pakt mit dem Teufel ? Was mu├â┬č ich tun, um den Geldsack zu bekommen ? Die genaue Bedeutung dieser oft in Tempelanlagen zu findenden Allegorie konnte mir bisher Niemand erkl├â┬Ąren. Was bekannt ist: der chinesische Drache wurde seit dem 10 Jahrhundert u.Z. vom Buddhismus adaptiert und erhielt somit auch Einzug in ganz S├â┬╝dostasien. Weitere Einfl├â┬╝sse kamen aus Indien. Die indische Mythologie zum Beispiel kennt diverse Schlangengottheiten, auch in Thailand als NAGAS bekannt. MAKARA aus dem Hinduismus hei├â┬čen im thail├â┬Ąndischen MANGKON oder auch MANGKORN. Das ist das Wasserwesen, der Drache in der thai-laotischen Mythologie. Normalerweise sind diese Drachen-Schlangentiere im Doppelpack zu finden, vor den Eingangsportalen der gr├â┬Â├â┬čeren WAT-Geb├â┬Ąude, quasi auch als Treppeneinrahmungen. Dabei sind diese steingewordenen Fabelwesen nicht einheitlich, sondern sie variieren in ihren Gestaltungen von WAT zu WAT, von Geb├â┬Ąude zu Geb├â┬Ąude.
Ein einzigartiges Schlangendrachentier habe ich unter anderem in einem riesigen, bestens gepflegten und reichen WAT in der N├â┬Ąhe des Sri Lanna Nationalparks entdeckt: es hat einen Elefantenkopf ! Um noch eine Kuriosit├â┬Ąt darauf zu setzen im wahrsten Sinne des Wortes: es gibt die Elefanten-Dragons auch mit Hirschgeweih ! Wir kennen Elefanteng├â┬Âtter (GANESHA und ERAWAN) aus dem aus Indien stammenden Hindu-Glauben. Hier scheint es sich um eine Vermischung der mythischen Bedeutungen zu handeln. ├â┬ťberhaupt ist die buddhistische Philosophie und Religion sehr offen in Bezug auf andere religi├â┬Âse Einfl├â┬╝sse. So gibt es sehr oft auch animistische Symboliken in den WATs wie zum Beispiel Tierverehrungen. Die bekanntesten Vorkommnisse im Norden sind die Verehrungen der Elefanten und die Duldung von Hunden in den Kl├â┬Âstern bis hin zu regelrechten Hunde-Asyl-Pl├â┬Ątzen mit aufgestellten Sammelboxen f├â┬╝r Spenden zur Unterhaltung der Tiere. Zur geschichtlichen Bedeutung der Hunde im Norden habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben.
Die symbolische Bedeutung der Dragons in den WATs wurde mir wie folgt erkl├â┬Ąrt: auch der Drache/die Schlange fragte Buddha, ob er/sie nicht ebenfalls in den Tempel d├â┬╝rfe. Das fand Buddha wohl nicht als eine so gute Idee, und so erkl├â┬Ąrte er dem Tier: ja, in der N├â┬Ąhe des Tempels zu kommen w├â┬Ąre o.k., aber nicht hinein. Und eine wichtige Funktion h├â┬Ątte das Tier damit auf jeden Fall: es k├â┬Ânne den Eingang zum Tempel bewachen und somit jegliches Unheil abwehren. Damit gab sich das Wesen offensichtlich zufrieden...
In Bezug auf den oben genannten Dragon mit dem Elefantenkopf k├â┬Ânnte man eventuell auch Folgendes deuten: die Hindu-Figur der Schlange mu├â┬č sich dem Buddhismus "unterordnen". Gest├â┬╝tzt wird diese These durch die Tatsache, da├â┬č sich die LanNa- und Sukouthai- K├â┬Ânige im Mittelalter bewu├â┬čt gegen die hinduistischen KMER (im heutigen KAMBODSCHA) absetzen wollten, nachdem sie die Kmer aus dem Lande vertrieben hatten. Aber halt - es gibt ja auch viele Dragonfiguren mit Vogelk├â┬Âpfen - was hat das dann zu bedeuten ? Vielleicht ist mit unserem Verstand nicht Alles erfa├â┬čbar im Reich der fern├â┬Âstlichen Phantasie.
Drachentiere sind in vielen Kulturen zu finden. Bekannt sind in ganz Asien besonders die bunten Drachen der Chinesen, es gibt dort beim Neujahrsfest Umz├â┬╝ge mit Drachen und auch das Jahr des Drachens. In China selbst gibt es neun verschiedene Auspr├â┬Ągungen der tierischen Mischwesen und hinzukommend das Drachensymbol des Kaisers (gelber Drache mit jeweils f├â┬╝nf Klauen).
Der Begriff Drache/Dragon leitet sich ab vom altgriechischen DRAKON und wurde von den Lateinern als DRACO ├â┬╝bernommen. Im Gegensatz zu den fern├â┬Âstlich ├â┬╝berwiegend positiv zu deutenden Fabelwesen (Regen und damit Fruchtbarkeit bringende Wassergottheiten, Gl├â┬╝cksbringer, Tempelbesch├â┬╝tzer) sind die Drachen der antiken-westlichen Hemisph├â┬Ąre eher furchterregende Wesen, die in vielen Legenden von Drachent├â┬Âtern bek├â┬Ąmpft wurden.
Dragon ist ein durchaus beliebter nickname bei Jungs in Thailand. Schlau wie die Schlange und stark wie der Drachen zu sein, das hat wohl eine gewisse Attraktivit├â┬Ąt, verst├â┬Ąrkt durch Phantasy-Comics.